Über das Stilfser Joch

Zwei-Tagestour mit Reschenpaß, Stilfser Joch, Passo di Foscagno, Passo d'Eira und Ofenpaß

Tourenlänge 228 Km gefahren am 23./24.07.2005

Das Stilfser Joch

Höhenmeter 4731 m
Maximale Höhe 2758 m ü. NN. (Stilfser Joch)
Maximale Steigung 12 % am Stilfser Joch
Charakteristik Bergetappe
Kategorie
Straßenverkehr Viel Verkehr am Reschenpaß und am Passo Foscagno bzw. Passo d'Eira; auch am Stilfser Joch ist immer viel los
Sonstiges Achtung: Das Durchfahren des "Munt-la-Schera-Tunnel" mit Fahrrädern ist seit 2008 verboten. Es wurde ein kostenpflichtiger Shuttle-Bus-Verkehr eingerichtet. Informationen gibt es hier: http://www.engadin-strom.ch/
Beim Grenzübertritt von Italien in die Schweiz kann es passieren, daß die Schweizer Grenzer Ausweispapiere verlangen.
Karte Karte: Kümmerly+Frey Trentino - Südtirol (Maßstab 1:200 000)
Streckenverlauf Pfunds - Finstermünzpaß (1087 m ü. NN.) - Nauders - Reschenpaß (1455 m ü. NN.) - Glurns - Prad - Trafoi - Stilfser Joch (2758 m ü. NN.) - Bormio - Semogo (Übernachtung) - Passo Foscagno (2291 m ü. NN.) - Passo d'Eira (2208 m ü. NN.) - Livigno - Munt-la-Schera-Tunnel - Ofenpaß (2149 m ü. NN.) - St. Maria i. Müstair - Glurns - Reschenpaß (1455 m ü. NN.) - Nauders - Pfunds
Links Höhenprofil Bilder (17)

Über fünf Pässe (genau genommen sechs, denn der Reschenpaß wird von beiden Seiten befahren, sogar sieben wenn man den Finstermünzpaß miteinberechnet) und durch drei Länder führt diese beeindruckende Rennradtour. Als weiteres Superlativ kommt hinzu, daß mit dem Stilfser Joch der dritthöchste Straßenpaß der Alpen zu bezwingen ist. Nur die beiden französischen Pässe Col de Iseran (2770 m ü.NN.) und Restefond/La Bonette (2802 m ü. NN.) sind noch höher.

Los gehts in Österreich, in Pfunds im Oberinntal. Bereits nach wenigen Kilometern radeln wir moderat bergan zum Reschenpaß. Landschaftlich schön, zuerst im Wald durch einige Naturtunnel, später in weiten Kehren entlang von Almwiesen. Unterwegs wird noch der Finstermünzpaß mitgenommen. Leider ist das Verkehrsaufkommen sehr hoch. Nach Passieren der Paßhöhe und der Staatsgrenze nach Italien empfiehlt es sich deshalb auf das ruhige Sträßchen bzw. den Radweg auf der Westseite des Reschensees zu wechseln. Das hat auch den Vorteil, daß sich immer wieder schöne Ausblicke über den See und die Bergwelt ergeben. Erst bei St. Valentin geht es zurück auf die Hauptstraße und dann auch gleich in die Abfahrt mit einigen weiten Kehren.

Anschließend weiter über Glurns nach Prad am Stilfser Joch. Hier beginnt er, der Anstieg zum berühmt-berüchtigten Stilfser Joch (Passo dello Stelvio) mit seinen 48 numerierten Kehren. Wir fahren zunächst entlang des Suldenbaches, der an der Stilfser Brücke überquert wird. Bereits jetzt erreicht die Steigung an einigen Stellen Werte um die zehn Prozent.

Bei Trafoi (1543 m ü. NN.) geht es in die erste Kehre mit der Nr. 48. Kurz danach nimmt auch die Bewaldung ab und man hat freien Blick auf die vergletscherten Flanken des Ortler-Massivs. Die Steigung liegt nun immer öfter zwischen zehn und zwölf Prozent. Schließlich wird das Hotel Franzenshöhe (2100 m ü. NN.) erreicht und man sieht erstmals die berühmte Steilwand und am Ende der Kehrenstrecke auch die Paßhöhe. Etwa auf einer Höhe von 2300 m befindet sich auf der rechten Straßenseite eine Quelle, an der die - mit Sicherheit nicht mehr sehr vollen - Trinkflaschen aufgefüllt werden können. Kehre um Kehre muß man sich erarbeiten, aber schließlich ist man oben - und wird erstmal erschlagen vom Trubel der hier herrscht. Nachdem man sich jedoch daran gewöhnt hat, sollte man nicht versäumen einen Blick zurück zu werfen und die Aussicht auf die gigantische Gletscherwelt zu genießen.

Gut zu befahren ist die - ebenfalls kehrenreiche - Abfahrt nach Bormio. Im unteren Teil befinden sich einige Galerien und kurze unbeleuchtete Tunnel. Wir haben unser Nachtquartier während dieser Tour in Semogo aufgeschlagen. Der Ort liegt bereits am Beginn des Anstiegs zum Passo Foscagno.

Ausgeruht kann man also den Anstieg zum Foscagno-Paß (2291 m ü. NN.) am nächsten Morgen fortsetzen. Der Paß verbindet das Veltin mit dem Livignotal. Im oberen Teil, wenn die Bewaldung nachläßt, befindet man sich mitten in einer besonders eindrucksvollen, wenn auch kargen, Gebirgslandschaft. Hier beginnt auch das italienische Zollausschlußgebiet mit dem Hauptort Livigno. In der anschließenden kurzen Abfahrt verliert man wieder 250 Höhenmeter, ehe es hinauf geht zum Passo d'Eira (2208 m ü. NN.). Nach dessen Passage geht es endgültig abwärts nach Livigno.

Da der belebte Ort nicht zu einem Aufenthalt einlädt, geht es auf flacher, oft sogar leicht abfallender Strecke weiter entlang des Lago di Gallo bis zum Eingang des Munt-la-Schera-Tunnels. Trotz seiner Länge von 3,7 Kilometern kann der einspurige, beleuchtete Tunnel problemlos mit dem Rennrad durchfahren werden. Beleuchtung ist dennoch ratsam. Ampeln am jeweiligen Eingang lassen den Gegenverkehr warten. Auf Grün wird erst geschaltet, wenn der Tunnel leer ist. Auf der linken Seite befindet sich eine Radspur. Da es leicht bergab geht, ist der Tunnel schnell durchfahren.

Nach dem Ausgang befindet sich die Schweizer Grenze. Man sollte unbedingt einen Ausweis mitführen, da die Grenzer auch Radfahrer kontrollieren.

Nun geht es wieder aufwärts, zum Ofenpaß (Pass dal Fuorn, 2149 m ü. NN.). Der Paß liegt im Schweizer Nationalpark. Die Auffahrt erfolgt zunächst mäßig steil durch Nadelwälder. Im oberen Bereich dann längere Abschnitt mit zehn bis zwölf Prozent. Von der recht ansehnlichen Paßhöhe hat man schöne Ausblicke nach Westen und Osten. Es folgt eine fast 30 Kilometer lange, sehr schöne Abfahrt durch viele Kehren in das Val Müstair. Immer wieder werden hübsche Ortschaften durchfahren. Nach etwa 25 Kilometern seit der Paßhöhe wird auch wieder die Grenze nach Italien überquert.

Sehr schnell ist Glurns erreicht und nun geht es auf der vom Vortag bereits bekannten Strecke zurück auf den Reschenpaß. Der Verkehr nimmt wieder zu, da kommt es uns entgegen, daß die Steigung moderat bleibt und der Anstieg schnell abgekurbelt ist. Oben fährt man meist flach am Ufer des Reschensees entlang.

Zum Ausklang geht es in rasender Abfahrt hinab zum Ausgangsort Pfunds.