Über Julier- und Splügenpaß
In Tiefencastel beginnt eine außergewöhnlich schöne Runde. Ohne Einrollphase geht es gleich in den 36,7 Kilometer langen Anstieg zum Julierpaß. Bei einer Höhendifferenz von 1433 m beträgt die durchschnittliche Steigung 3,9 %. Der Anstieg verläuft auf einer breiten und gut ausgebauten Straße terrassenartig und ist immer wieder durch längere Flachstücke unterbrochen, in denen man sich etwas erholen kann. Zunächst radeln wir mit 8 - 10 % entlang schöner Bergwiesen und durch bewaldete Abschnitte. Nachdem die Steigung etwas zurück gegangen ist, geht es durch zwei Galerien und zwei unbeleuchtete Tunnel. Wir erreichen das Tal Oberhalbstein mit herrlicher Aussicht auf die umliegenden Berge. Erst kurz nach der Ortschaft Tinizong zieht die Steigung erneut auf teilweise 10 % an, ehe bei Rona wieder ein langes Flachstück folgt. Eine weiteres Steilstück bringt uns zum Marmorera-See. Nach einer kurzen Abfahrt erreichen wir über einen Gegenanstieg das Örtchen Bivio. Nach dem Ort wird es wieder steiler. Die Baumgrenze ist längst überschritten, wir befinden uns nun mitten in in einer kargen, hochalpinen Landschaft. Es folgt eine schöne Kehrenstrecke, in deren Verlauf die Steigung mehrmals die 10-%-Marke erreicht. Etwa eineinhalb Kilometer vor der Paßhöhe passieren wir linkerhand das Julierhospiz. Den schönen Gesamteindruck, den die Paßhöhe hinterläßt kann auch ein Kiosk, der sich hier angesiedelt hat, nicht trüben. Die alten Römer habe uns hier oben zwei Steinsäulen hinterlassen, die ursprünglich als Geschenk an die Götter gedacht waren. Die folgende Abfahrt bringt uns nach nur siebeneinhalb Kilometern hinab nach Silvaplana ins Oberengadin. Auf flacher Strecke radeln wir nun durch tolle Landschaft entlang von Bergseen über denen die Gletscher der Bernina-Gruppe in der Sonne funkeln. Allzu schnell ist das Örtchen Maloja mit der gleichnamigen Paßhöhe erreicht. Unvermittelt fällt das Tal dann ab und es beginnt die lange Abfahrt in das Bergell. Im oberen Bereich schießen wir durch schöne Serpentinen, weiter unten breitet sich in den Ortschaften, die wir durchfahren, deutlich italienisches Flair aus. Kurz nach Promontogno geht es über die Grenze, wir sind nun in Italien und kurz darauf im Talort Chiavenna (333 m ü. NN.). Der Anstieg zum Splügenpaß beginnt, es empfiehlt sich zu verpflegen, denn knapp 1800 Höhenmeter liegen vor uns. In der ersten Hälfte des Anstiegs wechseln sich steilere Abschnitte immer wieder mit Flachstücken ab, die Gelegenheit zur Erholung geben. Leider war der bekannte spektakuläre Steilhang mit seinen zahlreichen Tunneln und Galerien gesperrt, so daß wir über Isola ausweichen mußten. Beim Abzweig nach Madesimo treffen beide Routen wieder zusammen. Ab hier wird die Auffahrt richtig schön. Nachdem die Baumgrenze überschritten ist, fahren wir durch eine herrliche Almlandschaft und erreichen schließlich den von einer wunderbaren Bergwelt umgebenen Lago di Monte Spluga. Die Trasse verläuft entlang des Seeufers bis zur Ortschaft Montespluga völlig flach. Von hier aus sind es nur noch 200 Höhenmeter bis zur Paßhöhe, die schnell erreicht ist. Oben überqueren wir die Staatsgrenze und sind zurück in der Schweiz. Es folgt eine tolle, kurvenreiche Abfahrt nach Splügen. Ein Meisterstück der Straßenbauer, die die zahlreichen Kehren hier richtiggehend übereinandergeschachtelt haben. Auf verkehrsarmer Straße und gutem Belag geht es anschließend durch die beeindruckende Roflaschlucht. Es wird jedoch noch spektakulärer: Vor Thusis sollte man nicht den Abzweig in die autofreie, alte Straße durch die Via-Mala-Schlucht verpassen (notfalls nach dem Weg fragen). Die Route verläuft abenteuerlich unterhalb hoher Felswände und kleine Tunnel durch die Schlucht. Zu guter Letzt ist noch der Schlußanstieg zum Ausgangsort Tiefencastel zu bewältigen. Hier geht es durch einige längere, aber gut beleuchtete Tunnel (der erste kann über die Ortschaft Sils umgangen werden). Eine tolle Runde mit zahlreichen, spektakulären Höhepunkten geht zu Ende. Der Splügenpaß gehört ohne Zweifel in die Reihe meiner schönsten Pässe. Da der berüchtigte Steilhang-Abschnitt am Tag dieser Tour gesperrt war, werde ich den Splügenpaß sicherlich in einem der nächsten Jahre nochmals beradeln.
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